#Tag 767
Vielleicht flüchte ich manchmal vor mir selbst. 🤍
Ich habe in den letzten Jahren unglaublich viel über mich gelernt.
Über Sucht.
Über Bindung.
Über meine Kindheit.
Über Muster.
Über meine Gefühle.
Ich kann vieles erklären.
Ich kann Zusammenhänge erkennen.
Ich kann mich selbst sehr gut analysieren.
Und vielleicht habe ich genau darin manchmal auch einen Weg gefunden, nicht wirklich fühlen zu müssen.
Ich merke, wie oft ich „man“ sage, wenn ich eigentlich „ich“ meine.
„Man hat Angst, verlassen zu werden.“
„Man möchte gesehen werden.“
„Man hängt an jemandem.“
Aber was wäre, wenn ich stattdessen sage:
Ich habe Angst.
Ich möchte gesehen werden.
Ich hänge an diesem Menschen.
Ich bin traurig.
Ich brauche Nähe.
Plötzlich wird es persönlich.
Und verletzlich.
Vielleicht ist auch meine Affäre ein Teil dieser Flucht.
Nicht, weil meine Gefühle nicht echt wären.
Sondern weil es manchmal leichter ist, mich mit einem anderen Menschen, seiner Nähe, seiner Distanz und der Frage nach seinem Verhalten zu beschäftigen, als wirklich bei mir selbst anzukommen.
Denn solange ich den anderen analysiere, muss ich nicht ganz so tief in mich hineinfühlen.
Und vielleicht ist genau das gerade meine nächste Aufgabe:
Nicht noch mehr verstehen.
Nicht alles erklären.
Nicht jedes Gefühl sofort einordnen.
Sondern einfach einmal da sein lassen, was da ist.
Traurigkeit.
Sehnsucht.
Angst.
Einsamkeit.
Wut.
Liebe.
Ohne es sofort lösen zu müssen.
Vielleicht muss ich nicht noch mehr über mich wissen.
Vielleicht darf ich anfangen, mich wirklich zu fühlen.
Und vielleicht sitzt da manchmal noch dieses kleine Mädchen in mir, das gar keine Analyse braucht.
Sondern jemanden, der sagt:
„Ich sehe dich.
Du darfst fühlen.
Du musst nicht weglaufen.
Ich bleibe bei dir.“ 🤍
Vielleicht beginnt Heilung manchmal genau dort:
Wenn wir aufhören, uns selbst nur zu verstehen – und anfangen, uns selbst wirklich zu begegnen.