#Tag 20

Hallo Liebes Ich im Jahr 2029,
Ich bin etwas aufgeregt dir heute am 08.09.2024 zu schreiben. Ich befinde mich aktuell in der 3 Woche ohne FA und anschließendem Erbrechen.
Seit über 20 Jahren das erste Mal ohne eine andere „Ersatzdroge“. Quasi komplett clean.
Es ist auch das erste Mal dass ich intrinsisch und nur für mich der Sucht den Kampf ansagen will. Nicht für meine Familie oder irgendjemanden, nicht aus der Vernunft heraus, nicht aus purer Willenskraft. Nein. Denn ich will jetzt endlich auch von der Bulimie frei sein. Ich möchte mein Leben und meinen Alltag soweit allein bestimmen. Ich möchte in meinen Handlungen allein entscheiden. 25 Jahre fremdbestimmt, das ist lange genug. Ich habe schon meine Jugend an die Bulimie verschenkt. Ich habe durch sie auf eine glückliche Partnerschaft, auf eine eigene Familie, auf Kinder verzichten müssen. Jetzt wendet sich das Blatt. Seit 3 Wochen bin ich tagtäglich mit dem Thema beschäftigt, versuche neue Strategien zu entwickeln und mir dabei mit Geduld und Liebe zu begegnen.
Das Vertrauen in mich selbst ist noch klein und zart und will gepflegt werden. Und das mache ich. Aus tiefstem Herzen.
Ich erfahre so viel Verständnis und Halt aus meiner Familie. Indirekt, aber er ist da. Auch werde ich jeden Tag ein Stückchen größer, denn von Tag zu Tag sehe ich, das Leben geht weiter. Ich habe schon nach kurzer Zeit so viele positive Veränderungen wahrgenommen, die mir um Welten mehr bieten als die Bulimie. Sei es mehr Zeit, Ausgeglichenheit, mehr Energie, mehr Geld, weniger Gereiztheit, ich habe im Äußeren mehr Ordnung geschaffen, ich konsumiere weniger und ich habe viel weniger Müll verursacht, ich achte mehr die Natur, gehe mit offenen Augen durch den Tag, erfreue mich an kleinen Dingen. Kann jetzt das Ausleben was ich schon seit Jahren fühle. Ich ernähre mich jetzt nur gesund. Die FA in denen ich all den Scheiß Industriekram gegessen habe gehört endlich der Vergangenheit an.
Nachdem ich letztes Jahr so krank war und mir eingestanden habe, dass der Alkohol mich umbringen wird, habe ich dank des OAMN Programm geschafft aus der Alkoholfalle zu entkommen. Ich bereue nicht einen einzigen nüchternen Tag und bin jeden Tag über meine Nüchternheit Dankbar. Ich habe seitdem mehr und mehr auf mich und meine Gesundheit geachtet. Leider konnte ich den Teufelskreis der Bulimie nicht durchbrechen. Ich wusste nicht wie und ob ich jemals ein Leben ohne Sucht leben kann. Und ob ich kann. Du weißt, liebes zukünftige Ich, wir glauben nicht an Zufälle. Das Universum schickt uns immer Lösungswege, man muss sie nur erkennen und anpacken. Ich traf im September im Forum Sina, in kürzester Zeit freundeten wir uns an, gaben uns gegenseitig halt und motivierten uns so sehr, dass wir beschlossen gemeinsam einen Neuen Weg aus der Bulimie zu gehen. Und seitdem sind wir frei vom Esszwang. Höhen und Tiefen durchlebten wir, aber immer mit dem Wissen, was auch passiert, die Bulimie macht die Situation nicht besser.
Ja, es hat sich zum Guten gewendet. Ich habe ein gutes Körpergefühl. Ich mag mich so wie ich bin und konnte endlich Frieden mit mir schließen. Ich sehe in jedem Lebewesen mehr als nur die Hülle, deren Seele. Ich lebe mit meinen Partner (der sehr liebevoll, handwerklich begabt ist und ein großes Interesse an Landwirtschaft mitbringt) glücklich in einem schönen Haus, oder auf einem Hof zusammen mit  Tieren wie einem Hund, Katzen und Hühnern. Wir haben einen schönen bewachsenen Garten, bauen viel Gemüse an. Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu unseren Nachbarn und ergänzen uns gegenseitig. Wir lieben es selbst zu kochen.
Regelmäßig Treffen wir unsere Freunde.
Beruflich arbeite ich ganz in der Nähe, oder sogar mit Sina zusammen.
Wir kümmern uns um Menschen, die in ihrer Suchtfalle stecken und unsere Hilfe in Anspruch nehmen möchten. Wir bieten ihnen eine Alternative zu einem klassischen Klinikaufenthalt, indem sie unmittelbar in unserem Wohnhaus für Essstörungen begleitet werden.

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