28.08.2024 – Tag 11

Was macht mir Angst, wenn ich daran denke, die Bulimie loszulassen – und warum könnte diese Angst unbegründet sein?

Hm. Wenn wir mal an der Oberfläche bleiben, dann fällt mir als erstes „unkontrollierte Gewichtszunahme“ ein. Unkontrolliert anzufangen zu essen – und dann „darf“ ich ja nicht mehr kotzen!
Ich werde also auseinandergehen, unförmig werden, die Menschen werden mich mitleidig angucken, ich brauche eine komplett neue Garderobe, ich sehe nicht mehr schön und schlank und beneidenswert aus….STOP! Ich weiß, wie sich das anhört. Und ich merke auch schon beim Schreiben, wieviel Lüge in dem Ganzen steckt.

Fakt ist: ich fühle mich auch jetzt nicht wohl. Ich fühle mich seltenst „schön“.
Ich fühle mich so gut wie nie schlank (genug).
Und beneidenswert? Sollten mich Bekannte oder Freunde beneidenswert anschauen (und man kann den Menschen ja nur vor den Kopf gucken) – dann kennen Sie mich leider nicht wirklich. Dann wissen sie nicht, welche Leidensgeschichte hinter der Fassade steckt. Und das macht mich weder stolz noch glücklich, sondern unglaublich traurig und einsam.

Und was zeigt mir das? Dass die Bulimie – und das ganze Thema rund ums Gewicht, zunehmen, abnehmen, gut aussehen, etc, etc, doch eigentlich für etwas ganz anderes steht.
Zum Beispiel für den Kontrollverlust über unsere Emotionen. Ja, davor habe ich Angst. Ich habe Angst, meine Gefühle ungefiltert zu fühlen und aushalten zu müssen, nicht aus meiner Haut zu können, und dabei zu STERBEN!
Ist das nicht eine seltsame Angst? Und vor allem: das ist ja auch gleichzeitig mein sehnlichster Wunsch! Ich möchte wieder den Zugang zu meinen Gefühlen haben.
Diese ganzen tiefsitzenden Glaubenssätze – „bin ich überhaupt liebenswert?“ „Darf ich Grenzen für mich setzen, auch wenn es andere vor den Kopf stößt?“
„Ich bin Schuld, an so viel Leid um mich herum!“
„Ich bin FALSCH!“
…mit denen werde ich mich auseinandersetzen müssen, und da habe ich – gelinde gesagt – nicht so viel Lust drauf. ABER ich weiß, es ist nötig, ich weiß, es ist wichtig, und ich weiß, der Prozess wird in etwas Gutem enden. Deshalb brauche ich keine Angst davor zu haben. Ich freue mich eher auf mein neues Leben, was so viel heller und freier sein wird, als ich es mir vorher jemals hätte vorstellen können.

Und wie cool wird das sein, wenn ich irgendwann wirklich aus vollstem Herzen über mich sagen kann: ich bin mir selber meine beste Freundin?

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