#Tag 753

❤️ Für all das, was niemand gesehen hat

Es gab Jahre, in denen ich nach außen funktioniert habe.
Gelächelt habe. Weitergemacht habe.
Und niemand wirklich wusste, was hinter dieser Fassade passiert.

Niemand hat die Momente gesehen, in denen ich gegen meine Bulimie gekämpft habe.
Niemand hat gesehen, wie oft Alkohol für mich irgendwann nicht mehr Genuss, sondern Flucht war.
Wie oft ich versucht habe, Gefühle wegzudrücken, die eigentlich gefühlt werden wollten.

Und vielleicht ist genau das die Gefahr bei Süchten:
Sie beginnen nicht immer mit einem großen Knall.
Manchmal schleichen sie sich leise in unser Leben.
Als vermeintliche Hilfe. Als Trost. Als Kontrolle. Als Möglichkeit, für einen Moment nichts fühlen zu müssen.

Bis man irgendwann merkt, dass aus dem Mittel zur Flucht selbst ein Gefängnis geworden ist.

Heute weiß ich:
Nichts, was mich von mir selbst entfernt, kann auf Dauer die Antwort sein.

Ich möchte meine Vergangenheit nicht beschönigen.
Aber ich möchte mich für sie auch nicht mehr verurteilen.

Denn ich habe überlebt, was niemand gesehen hat.
Ich habe mich aus Dingen herausgekämpft, über die ich lange nicht sprechen konnte.
Und ich lerne noch immer, mich nicht mehr betäuben zu müssen, um mit meinem Leben klarzukommen.

Vielleicht ist das auch etwas, woran ich mich selbst immer wieder erinnern muss:

Du darfst stolz auf dich sein.
Nicht nur für das, was andere sehen.
Sondern vor allem für all das, was du ganz allein geschafft hast.
❤️

Und wenn du gerade selbst an einem Punkt stehst, an dem du glaubst, du schaffst es nicht:

Bitte gib dich nicht auf.
Der Weg zurück zu dir selbst mag lang sein.
Aber er ist möglich.

🌿 Du musst nicht perfekt geheilt sein, um stolz darauf sein zu dürfen, dass du heute weitergehst.

Ähnliche Beiträge

  • #Tag 36/37

    Gestern war ein unspektakulärer Tag. Ich habe den Vormittag in Berlin verbracht. War etwas fußläufig in Supermärkten unterwegs (bin aber  nicht fündig geworden). Dann fing es zu Regnen an und ich bin zurück nach Leegebruch gefahren. Hab unterwegs angehalten und im Regen Sanddorn geerntet und mir im Hofladen Landeier geholt.Zuhause hat mich Pepe empfangen, er…

  • #Tag 13

    Wenn du zweifelst und dir alles nicht gut genug ist, schau auf das was du schon erreicht hast!Schreib 5 positive Dinge auf, die dir in den letzten Tagen klar geworden sind.

  • #Tag 749

    Über die Zeit, die ich der Sucht geschenkt habe. 🤍 Über 20 Jahre. Wenn ich diese Zahl ausspreche,fühlt sie sich manchmal unglaublich groß an. Mehr als 20 Jahre. 20 Jahre, in denen die Sucht immer wieder Raum in meinem Leben eingenommen hat. Zeit, die ich ihr gegeben habe. Meine Gedanken.Meine Kraft.Meine Aufmerksamkeit.Meine Freiheit. Tage, an…

  • #Tag 39/40

    8:37 und ich bin schon seit fast 2 Stunden wach. Klar und unverkatert. Ich bin jedes mal dankbar über dieses Lebensgefühl. Jemand der nicht regelmäßig den Tag zuvor Unmengen an Alkohol in sich reingeschüttet hat weiß wie hundeelend man sich an solchen Morgen fühlt. Meistens fast den ganzen Tag, bis der Nachschub kommt und den…

  • Memo an mich selbst

    Für das Mädchen im Schulalter. 🤍 #Tag 747 September 06, 2026 Du warst schon damals ein sehr nachdenkliches Mädchen. Du hast dir vieles zu Herzen genommen.Du hattest feine Antennen für die Stimmung anderer Menschen.Für Blicke.Für Worte.Für das, was andere über dich dachten. Und vielleicht hast du deshalb auch Worte besonders tief in dich aufgenommen. Ich…

  • #Tag 43/44

    Schmuddelwetter, der Oktober ist da. Der Abend/die Nacht in Berlin war sehr gut. Wäre mein Kater nicht in Leegebruch gewesen wäre ich auch gerne etwas länger in der Wohnung geblieben. Aber die Sehnsucht hat mich zurück getrieben. Hier ist es auch sehr schön und vor allem ruhiger! Ich habe nach dem Essen immer ganz schön…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert