#Tag 741

„Geh das Risiko ein.“

Irgendwann musste ich eine Entscheidung treffen.
Weiter so?
Oder endlich anfangen zu leben?
Denn das, was ich damals mein Leben nannte, war eigentlich nur noch Überleben.
Arbeiten.
Essen und Alkohol beschaffen.
Und dabei diese ständige innere Scham.
Die Menschen, bei denen ich jeden Tag Unmengen an Alkohol und Lebensmitteln kaufte.
Die Blicke.
Die Gedanken darüber, was sie wohl über mich denken.
Danach zurück in meine vier Wände.
Mich zurückziehen.
Kochen – für eine vierköpfige Familie.
Nur konnte ich damals nicht einmal mehr die paar Minuten abwarten, bis das Essen fertig war.
Der erste Fressanfall begann schon während des Kochens.
Alles verschlingen.
Und es anschließend so schnell wie möglich wieder loswerden.
Danach diese Leere.
Diese Traurigkeit über ein Leben, das sich immer weiter von dem entfernte, was ich mir eigentlich einmal gewünscht hatte.
Und dann wieder Alkohol.
Nicht, weil ich wirklich genießen wollte.
Sondern weil ich nichts mehr spüren wollte.
Keine Scham.
Keine Traurigkeit.
Keine Einsamkeit.
Keine Angst.
Heute weiß ich:
Das war kein Leben.
Und genau deshalb weiß ich mein neues Leben heute so sehr zu schätzen. ❤️
Die Freiheit, wieder zu essen.
Die Freiheit, nüchtern zu sein.
Die Freiheit, Gefühle auszuhalten.
Die Freiheit, Menschen zu begegnen, ohne mich verstecken zu müssen, mich zu verstellen. Mich auf Gespräche einlassen zu können, ohne den inneren Konflikt im Kopf… Was wenn?
Und vielleicht ist es manchmal wirklich nur dieser eine kleine erste Schritt, der fehlt.
Nicht gleich das ganze Leben verändern.
Nur den Mut haben, zu sagen:
„So möchte ich nicht mehr weitermachen.“
Dann den ersten Schritt wagen.
Und den nächsten.
Und irgendwann schaust du zurück und stellst fest:
Ich habe mein Leben zurück. ❤️
#vomüberlebeninsleben #suchtfrei #alkoholfrei #bulimiefrei 

Ähnliche Beiträge

  • #Tag 17

    „Ob eine Sache gelingt, erfährst Du nicht, wenn Du darüber nachdenkst, sondern wenn Du es ausprobierst“ Und genau das war mein Ansatz vor fast 3 Wochen. Ich versuche jetzt den Kreislauf zu durchbrechen und schau wie es mir danach geht. Wenn es mir schlechter geht als vorher, naja dann hab ich es halt versucht. Zurück…

  • #Tag 19

    Und wieder begleitete mich eines meiner größten aktuellen Themen den heutigen Spätsommer Samstag. Das Ausmisten!Gegen Mittag bin ich in meine Wohnung nach Berlin gefahren um den Inhalt meines Briefkastens zu besichtigen. Zum Glück (noch) keine Post von der Polizei 🙂Ich habe mich dann in den folgenden 3 Stunden mit dem Ausmisten beschäftigt, festgestellt dass ich…

  • #Tag 38

    Ich glaub ich hatte bisher noch keinen Spätdienst in meiner suchtfreien Zeit… Ich hatte viele Nächte, dann Urlaub und einige Frühdienste. In allen hat die Bulimie „früher“ auch mehr und weniger eine Präsenz gehabt. Der zweite Dienst am Nachmittiag. Und auch diesen ich habe gut gemeistert. Ich bin stolz auf mich. Weder Alkohol noch Essen…

  • #Tag 10

    Was sind meine Trigger? Wenn ich das nur wüsste….Klar habe ich oft die Stimme der Bulimie im Kopf.Oft bei Versagensgefühlen, oder als Bestrafung. Jedoch meistens als „es muss sich ja „lohnen“. Im Sinne von, „es ist vergeudet nur ein Brötchen auszukotzen. Wenn dann richtig!“Mit der Zeit habe ich nahezu JEDES Gefühl so kompensiert. In den…

  • #Tag 43/44

    Schmuddelwetter, der Oktober ist da. Der Abend/die Nacht in Berlin war sehr gut. Wäre mein Kater nicht in Leegebruch gewesen wäre ich auch gerne etwas länger in der Wohnung geblieben. Aber die Sehnsucht hat mich zurück getrieben. Hier ist es auch sehr schön und vor allem ruhiger! Ich habe nach dem Essen immer ganz schön…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert