#Tag 761

Anfang dieses Jahres habe ich mich in die Höhle des Löwen begeben.

Nach über zehn Jahren habe ich zum ersten Mal wieder eine große Reise gemacht – über zwei Wochen auf einem Kreuzfahrtschiff.

Rund um die Uhr war ich mit Dingen konfrontiert, die früher Teil meiner Süchte waren:
Essen. Alkohol. Verfügbarkeit.
Und gleichzeitig war ich umgeben von Menschen, die meine Geschichte nicht kannten.

Menschen, die nicht wissen konnten, dass das Thema Essen für mich lange Zeit alles andere als selbstverständlich war. Dass ich manchmal nicht so flexibel bin wie andere. Dass hinter einem scheinbar einfachen Buffet für mich einmal eine ganze Welt voller Gedanken, Ängste und Zwänge steckte.

Und trotzdem habe ich meinen Weg gefunden.

Ich konnte essen.
Ich konnte genießen.
Ich konnte Situationen aushalten, die früher undenkbar gewesen wären.
Und ich konnte bei mir bleiben.

Ohne meine gewohnten Routinen.
Ohne meinen normalen Alltag.
Ohne die Sicherheit meiner vertrauten Strukturen.

Diese Reise hat mir etwas ganz Entscheidendes gezeigt:

Ich bin schon so viel weiter, als ich manchmal selbst glaube.

Sie hat mich in meiner Abstinenz und meiner Suchtfreiheit unglaublich gestärkt. Nicht, weil plötzlich alles leicht war – sondern weil ich erlebt habe, dass ich auch in einer Welt voller Trigger meinen eigenen Weg gehen kann.

Und vielleicht ist genau das Heilung:

Nicht darauf zu warten, dass das Leben irgendwann keine Herausforderungen mehr bereithält.
Sondern zu lernen, ihnen zu begegnen, ohne sich selbst zu verlieren.

Die Reise lohnt sich.
Der Mut lohnt sich.
Und es kann besser werden.

Aber dafür müssen wir irgendwann den ersten Schritt wagen. ❤️

Vielleicht ist genau das der schwierigste Schritt.

Und gleichzeitig der wichtigste.

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