#Tag 770
🐾 Für Pepe
Es sind die ohne Schuhe, die jeden Weg mit uns gehen.
Es sind die ohne Geld, die uns all das geben, was unbezahlbar ist. 🤍
Wenn ich heute an meine Alkohol- und Bulimiezeit zurückdenke, denke ich auch an meinen Kater.
An ihn, der den ganzen Tag allein war und sich auf mich gefreut hat.
Ich kam nach der Arbeit nach Hause und er hat sich gefreut.
Über meine Aufmerksamkeit.
Über meine Nähe.
Ein bisschen von mir.
Und so oft hat er mich gestört.
Nicht mich.
Meine Sucht.
Heute tut mir das immermoch so weh, wenn ich daran denke.
Nicht, weil ich ihn nicht liebe.
Ich liebe ihn über alles.
Aber meine Sucht war lauter als Liebe.
Nach einem langen Arbeitstag hatte ich im Kopf schon meine nächstes Glas Wein.
Und meinen Essanfall.
Das Kotzen.
Dieses Gefühl, endlich für einen Moment nichts mehr fühlen zu müssen.
Und Pepe?
Der wollte einfach nur, dass ich da bin.
Er wusste nicht, was in mir passiert.
Er wusste nur, dass sein Mensch wieder zu Hause war.
Und vielleicht hat er so oft geduldig neben mir gelegen,
während ich eigentlich gar nicht richtig bei ihm war.
Das tut mir heute noch leid.
Denn heute weiß ich, wie kostbar diese ganz einfachen Momente sind.
Nach Hause kommen.
Jemand wartet auf dich.
Sich zu mir legen.
Eine Pfote spüren.
Kuscheln.
Einfach zusammen sein.
Heute muss ich nicht mehr irgendwohin flüchten.
Ich muss mich nicht mehr wegtrinken.
Ich muss mich nicht mehr in der Essstörung verlieren.
Ich darf einfach da sein.
Und vielleicht ist das eine der schönsten Seiten meiner Genesung:
Ich habe nicht nur meine Gesundheit zurückbekommen.
Ich habe meine Zeit zurückbekommen.
Meine Aufmerksamkeit.
Meine Nähe.
Mein Leben.
Und heute bin ich so dankbar, dass diese Zeit vorbei ist.
Für mich.
Für Pepe.
Für alle, die mich lieben. ❤️
Und wenn Pepe heute meine Nähe möchte,
dann versuche ich, sie ihm zu schenken.
Denn er hat so viele Jahre auf mich gewartet. 🐾❤️🩹